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Im Wandel der Zeit - über sechs Jahrzehnte Sportgeschichte in Lunzenau Drucken

Es ist ein schöner Sonntag im Frühherbst, die Sonne scheint und man findet fast kein Wölkchen am blaugrauen Himmel. Plötzlich hört man ein schrilles Pfeifen durch die Luft ziehen und kurz darauf dann ein wirres Gemisch von Menschenstimmen. Es ist 15.00 Uhr und ein Punktspiel unserer ersten Männermannschaft hat gerade begonnen.

Nur Wenige wissen alles über den Verein, und so wollen wir heute die Gelegenheit nutzen und versuchen zu erzählen, was es zu berichten gibt über den mittlerweile größten Verein in unserem Lunzenau. Aller Anfang ist schwer und so ist es auch mit der Vereinsgründung, man könnte dazu weit in die Vergangenheit zurück gehen, in die Zeit des Ursprungs des Sports oder besser der Bewegungskultur, ins historische Sparta oder in die vergleichsweise jüngere Vergangenheit und dem ehemaligen Namensgeber unseres Sportplatzes, Friedrich Ludwig Jahn, oder besser „Turnvater“ Jahn“ genannt. Wir werden uns aber auf die Zeit konzentrieren, kurz bevor man den Entschluss gefasst hatte, die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Einheit Lunzenau“ zu gründen, wenn man so will, die Grundlagen unseres Vereins, das war am 05. April 1950.

Was war das für eine Zeit, nach der nationalsozialistisch geprägten Leibeserziehung und der Ideologisierung durch Adolf Hitler, der Sport in Deutschland und den besetzen Ländern für Zwecke der „Kriegsmaterialgewinnung“ genutzt hatte, frei nach der damaligen Redewendung „Hart wie Kruppstahl, schnell wie ein Windhund und zäh wie Leder“ die auch heute noch fast sinnbildlich für die damalige Zeit steht. Nach dem verlorenen Kriegsende und der Zweistaatenlösung, gab es mindestens auch zwei Ansätze, wie Sport in der damaligen Zukunft aussehen sollte.

Zunächst war Sport als Begrifflichkeit noch nicht existent, man sprach von „sozialistischer Körperkultur“, diese wurde von der SED zur Staatsangelegenheit. Es gab direkte Weisungen und Regelungen der Staats- und Parteiführung. So versuchte man, den richtigen Stellenwert zu finden. Die alten Vereine gab es nicht mehr, an ihre Stelle traten nun die BSG’en, in denen die Belegschaften und Kollektive der Betriebe ihrer Freizeitgestaltungen nachgingen, so auch in Lunzenau.

Hier ergriffen sportbegeisterte aus der damaligen Möbelstoffweberei, Edela und Papierfabrik, den künftigen Trägerbetrieben, die Initiative. Man hatte sich an jenem Frühlingstag im April 1950 in den Verwaltungsräumen der „Möbli“ zusammengefunden, nach kurzer Diskussion kam es zur Wahl von Sportfreund Hans Scheubner zum ersten Vorsitzenden der BSG, 28 registrierte Mitglieder hatte der Zusammenschluss damals. Bereits ein Vierteljahr später, am 24. Juli 1950 erfolgte im städtischen Kulturhaus die Vereinigung mit der SG Vorwärts. Zu den ersten gemeinsamen Aufgaben zählte die Schaffung eines neuen Sportplatzes, da man Ende der dreißiger Jahre auf der alten Fläche die damalige Molkerei errichtet hatte.

Noch heute muss man den Mut und Willen zur Veränderung dieser Sportfreunde bewundern, ohne die es den Verein heute wohl nicht geben würde.

So konnte dann auch am 20. September 1952 der fertige Platz seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Sektionen entwickelten sich, neben Kegeln und vielen anderen, so zwei ganz besonders, zu einem das Turnen. 1957 mit Klaus Böttger, einem Lehrer-Absolvent der Hochschule Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, kam ein Mann mit ausgezeichnetem Turnniveau nach Lunzenau, gemeinsam mit seinen Kollegen, wie Manfred Otto und Hans Pfefferkorn und vielen mehr, bemühte man sich erfolgreich, die Sektionen zu entwickeln, das zeigte sich an den vielen Erfolgen und dem kameradschaftlichen Miteinander, denn auch wenn es die Sektion in dieser Form leider heute nicht mehr gibt, sind noch viele der damaligen Sportfreunde dem Verein freundschaftlich verbunden. Und pflegen Kontakte zueinander.

Die zweite der schon erwähnten Sektionen, die sich überdurchschnittlich entwickelten, war die der Fußballer. Unter der Leitung verdienstvoller Sportfreunde wie Gerhard Zinsmann, Helmut Schmieder und Siegfried Berthold, erreichte man einen Ruf weit über die Grenzen des damaligen Kreises hinaus.

Die Wende kam und mit ihr auch das nächste Umdenken im Sport. Gemeinsam sollte alles moderner, offener und freier werden. So löste sich die erfolgreiche BSG auf und gründete in einer Versammlung am 11. August 1990 im Speisesaal der „Texturseide“ einen Verein, die BSG-Leitung wechselte in den Vereinsvorstand und unter großer Zustimmung der damals 61 Mitglieder wurde Sportfreund Wolfgang Krenkel zum Vereinsvorsitzenden gewählt. Zur Diskussion an diesem Abend stand auch die zukünftige Bezeichnung des Vereins. Nach intensiver Diskussion einigte man sich auf SV Fortschritt Lunzenau e.V., der Anfang einer kleinen Erfolgsgeschichte. So stieg die Zahl der Mitglieder stetig und man realisierte gemeinschaftlich viele Vorhaben und Ziele, feierte Erfolge und Feste. Auch Niederlagen blieben nicht aus, diese spornten nur noch mehr an. Und lassen den Verein bis zum heutigen Tag blühen.

Wieder ist ein Pfeifen zu hören, wie schnell doch die Zeit vergeht, das Spiel endet mit 3 Punkten für uns und wenn man alles genau bewertet, ist auch die Geschichte des Vereins ein Gewinn. Im Jahr 2012 zählt der Verein weit über 400 Mitglieder, die sich derzeit 12 Abteilungen wie Dart, Volleyball, Tischtennis, Fußball und vielen mehr sportlich beteiligen und gemeinsam aktiv Sport betreiben.

Wie zu jeder Zeit spielen politische Einflüsse und Rahmenbedingungen eine Rolle und lassen offen, was den SV Fortschritt Lunzenau e.V. in seiner Zukunft erwartet, nur eines ist klar, wo Menschen einen festen Willen haben und sich an Vorbildern wie den Gründervätern und Akteuren der verschiedenen Zeiten des Vereins orientieren, wird es immer eine Zukunft geben.

 

Der Vorstand des SV Fortschritt Lunzenau e.V.

 

In eigener Sache, wir würden uns freuen, wenn sich ehemalige Mitglieder wieder einmal melden und eventuell sogar wieder ihren Platz im Verein finden. Außerdem suchen wir dringend nach historischen Materialien, wie Bilder, Texte, Zeitzeugenberichten, um unserem Anspruch einer guten Chronik über unseren Verein gerecht zu werden. Unterstützen Sie uns dabei. Sport frei!

 

 
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